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Wie werde ich...? Physiotherapeut
Wiesbaden/Köln - Nach zwei Sportverletzungen stand der Berufswunsch von Ulrike Lindig fest. «Da hat mir die Krankengymnastik so weitergeholfen, dass ich einfach begeistert war», erzählt die heute 34-jährige Wiesbadenerin.
Ihre Mutter war ihr dabei außerdem ein Vorbild. «Auch sie ist Physiotherapeutin und hat immer von ihrem Beruf geschwärmt.» Es folgten ein Jahr Vorbereitung, viel Lernerei, zahlreiche Fortbildungen - und mittlerweile fast 15 Jahre Berufserfahrung.
«Einen ganzen Tag haben die uns auf Herz und Nieren geprüft. Das war fast wie ein kleiner Mediziner-Test», erinnert sich Lindig an ihren Berufseinstieg. Schon damals waren gerade die Ausbildungsplätze an den staatlichen Krankengymnasten Schulen begehrt. An dem Andrang hat sich bis heute nicht viel geändert, auch wenn es inzwischen wesentlich mehr private Schule gibt. Nach Angaben des Zentralverbandes der Physiotherapeuten/Krankengymnasten (ZVK) in Köln sind es bundesweit inzwischen mehr als 250.
«Der Bedarf an Physiotherapeuten und die Zahlen derer, die jährlich nach erfolgreich absolvierter Ausbildung auf den Markt drängen, hält nicht im gleichen Maße Schritt», sagt Angelika Heck-Darabi vom ZVK. Zwar profitieren die Physiotherapeuten vom Wellness-Boom und arbeiten zunehmend auch in Fitness-Zentren, Spas, Sportvereinen oder Wellness-Hotels, doch die klassischen Jobs in Praxen oder Kliniken sind begrenzt.
Zunächst gilt es für angehende Physiotherapeuten jedoch, die Ausbildung durchzustehen. «Die drei Jahre waren wirklich anstrengend, weil es so viel Fächerübergreifendes zu lernen gab», sagt Physiotherapeutin Lindig. Zu der an der Schule unterrichteten Theorie kommt noch die Praxis an Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen.
Als formale Voraussetzungen gelten die Vollendung des 17. Lebensjahres und mindestens der Realschulabschluss. Fast ebenso wichtig aber sind die persönlichen Voraussetzungen: «Kernelement des Berufs ist der Umgang und die Arbeit am und mit dem Patienten», erklärt die ZVK-Sprecherin.
«Manchmal muss man auch gegen die Gleichgültigkeit und den Widerstand der Patienten arbeiten», erzählt Physiotherapeutin Marion Ihle, die in einer Praxis in Wiesbaden arbeitet und vor allem Hausbesuche bei älteren Menschen macht, weil sie die Abwechslung mag. Ulrike Lindig arbeitet heute dagegen in einer Klinik auf der Kinderstation.
Fast so vielfältig wie die Einsatzorte der Physiotherapeuten, die bis 1992 Krankengymnasten hießen, sind die Fortbildungsmöglichkeiten. «Eine Spezialisierung ist schon sinnvoll», rät die ZVK-Sprecherin Heck-Darabi. «Seit 2001 gibt es außerdem die Möglichkeit Physiotherapie zu studieren.»
Reich wird man mit dem Job allerdings nicht. «Wer mehr als das Übliche verdienen will, muss eine eigene Praxis aufmachen», sagt Physiotherapeutin Lindig. Ebenso wie ihre Kollegin Ihle will sie ihren Beruf aber nicht tauschen: «Man lernt ja auch unglaublich viel über seinen eigenen Körper und hat den Menschen mit seinen Knochen und Muskeln als Ganzheit im Blick», erzählt Ihle.

